Archive for the 'Nachrichten' Category

Deutscher Phantastik Preis: Nominierungsrunde gestartet

LogoSeit dem 30. Mai läuft die Vorrunde des Deutschen Phantastik Preises 2009. In diesem Jahr hat sich die DPP-Preisverleihungskommission an den Locus Award angelehnt und unter anderem ein neues Nominierungsprozedere eingeführt. Dazu gehört, dass die Jury Vorschläge für die Nominierungen aus den unterschiedlichen Kategorien macht. Der DPP ist und bleibt ein Publikumspreis, doch aus dem folgenden Grund entschied man sich für die Vorschlagslisten:

Die Häufung der fehlerhaften Vorschläge ebenso wie die Zunahme der Stimmen, dass man nicht wisse, was man in den verschiedenen Kategorien überhaupt wählen dürfe, haben uns bewogen, eine Jury zur Ausarbeitung einer solchen Liste einzusetzen.

Im letzten Jahr gab es in diversen Foren und Blogs recht kritische Diskussionen und Artikel zum Wahlverfahren. Die Organisatoren haben sich der Kritik gestellt und das DPP-Nominierungs- und Preisverleihungsverfahren optimiert, sprich transparenter gemacht.

Zusatz in eigener Sache: Über die Aufnahme dieses Blogs in die Nominierungsvorschlagsliste der DPP-Jury freue ich mich riesig und bedanke mich. Große Ehre.

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„Yes We Can“ auf der FedCon XVIII

wallpaper_03_1600_1200Wie die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre Star Trek gerettet hat

„Und dann stand da Dr. Martin Luther King vor mir – mir fehlten die Worte, was sonst nie vorkam.“ Die Zuschauer im großen Konferenzsaal des Bonner Maritim-Hotels hängen an Nichelle Nichols Lippen: „Er sagte, dass meine Rolle als Uhura nicht aufgeben dürfe, sie stünde für so vieles, was den Kern der Bewegung ausmacht. Man stelle sich das vor: Eine farbige Frau an vierter Stelle des Kommandos, das ist die Vision, die meinen Kindern zeigt, was eines Tages möglich sein kann in unserer Gesellschaft!“

Und Nichelle Nichols spielte weiter in Star Trek, anstatt ihre Gesangskarriere wieder aufzunehmen. Niemand kann sagen, zu welchen Ehren sie damit gekommen wäre. Doch auf der Opening Ceremony der 18. Federation Convention in Bonn bekam sie nach ihrer bewegenden Rede minutenlang Standing Ovations von Fans aus aller Welt.

Neben der Grande Dame des Star-Trek-Kults stand von den 28 illustren Stargästen der FedCon klar Edward James Olmos im Mittelpunkt. Vor seinem Auftritt brachte Michael Hogan das Publikum dazu, ein mehrfach donnerndes „So say we all“ zu rufen, das dann nahtlos in Jubel für den Angekündigten überging. Olmos aka Adama konnte zwar nicht mit einem Fürsprecher auf hoher politischer Ebene aufwarten, doch wenn Arnold Schwarzenegger schon Gouverneur werden konnte, so stünden die Chancen für den sozial engagierten und als sehr integer geltenden Schauspieler bei einer Kandidatur fürs Präsidentenamt mit Sicherheit gut.

fedcon-pressekonferenz

Politische Aspekte standen auch schon morgens bei der Pressekonferenz im Mittelpunkt. Als ein Medienvertreter die Frage stellte, wie es sich denn jetzt mit Barack Obama als Staatenlenker lebe,konnte Jeffrey Combs (Deep Space 9, Voyager) nicht mehr an sich halten und sprang mit den Worten „Wooo-hooo! Best president we ever had!“ von seinem Stuhl auf, was ihm nachdrücklichen Beifall von allen Seiten einbrachte.

Etwas profaner, wenngleich ebenso nachvollziehbar, war es, wie sich Robert Picardo (Voyager) über seine erste Pressekonferenz freute, bei der Gummibärchen gereicht wurden. Mark Sheppard (BSG) hingegen machte deutlich, dass er überzeugt sei, die Erde sei angesichts der stetig wachsenden weltweiten Fangemeinde nun an Geeks vererbt worden.

Dann passt das Motto „The Golden Future“ der diesjährigen Veranstaltung auch ins geschäftliche Konzept, denn sollten alle der über 5.000 Fans aus 27 Ländern, die in diesem Jahr die FedCon besucht haben, diese Überzeugung mit missionarischem Eifer daheim weitervermitteln, wird sich Veranstalter Dirk Bartholomä wohl im nächsten Jahr eine größe Location suchen müssen.

Wochenrückblick

Diesmal vorgezogen habe ich den Wochenrückblick, denn morgen erscheint Teil vier der beliebten Reihe „Frühlingsbücher“, außerdem bin ich ganztägig auf der FedCon in Bonn. Dazu dann mehr am 2. Mai.

Los geht‘s (es sind keine Meldungen über Schweinegrippe dabei):

  • Am letzten Wochenende gab‘s in Hannover eine wissenschaftliche Tolkien-Tagung. Thema: Gewalt, Konflikt und Krieg in Mittelerde. Im Hörsaal vorne stand auch Dr. Frank Weinreich, dessen wirklich sehr gelehrten Tagungsbeitrag ihr hier auf Englisch nachlesen könnt. Gemerkt hat auch Spiegel Online, dass auf höchstem Niveau diskutiert wurde und eine längere DPA-Meldung veröffentlicht. Gar nicht niveauvoll sind hingegen die Diskussionsbeiträge diverser SpOn-Leser dazu.
  • Weiter mit Fantasy: Das Fachmagazin Buchmarkt hat mit der Literaturagentin Natalja Schmidt ein ausführliches Interview über die Vermittlung von Fantasyromanen geführt. Schmidt vertritt gemeinsam mit Julia Abrahams seit dem Jahr 2005 hauptsächlich deutschsprachige Autoren, darunter Christoph Hardebusch, Stephan Russbült und Daniela Knor.
  • Und was wird aus dem seit Jahrhunderten bewährten Trägermedium für Literatur? Jürgen Neffe hört schon den Schwanengesang des gedruckten Buches und sieht uns in der Morgendämmerung des E-Book-Epochenwandels. In seinem Artikel auf Zeit Online schreibt er zwar von „entleibten Medien“, beschwört aber gleichzeitig die Chancen, die die neue Lesewelt in sich birgt: „Es wird runde Bücher geben, endlose Texte ohne Anfang und ohne Ende“.
  • Auch FAZ.net thematisiert die Frage blättern oder klicken. Autor Peter Richter vermutet allerdings, dass die Wahrheit wie immer in der Mitte liegt, denn „die Digitalisierung dürfte den Ausstoß an bedrucktem Papier noch deutlicher steigern als seinerzeit die Einführung des ,papierlosen Büros‘“.
  • Wie anregend: Das Beste aus analogen und digitalen Welten verbindet die fabulöse Espresso Book Machine. Wie das funktioniert, wenn man in so ein Dings vorne Einsen und Nullen füttert, damit hinten ein Buch herauskommt, beschreibt Times Online hier.
  • Ah, Steampunk: Wieviel Dampf so ein neo-viktorianischer und retro-futuristischer Buchautomat produzieren könnte, ist möglicherweise im „Asylum“ zu bestaunen, dem ersten Steampunk-Festival im Vereinigten Königreich, allerdings erst im September 2009.
  • Gerade vorbei ist die „Elf Fantasy Fair“, die am letzten Wochenende rund 25.000 Fans ins niederländische Utrecht gelockt hat. Auf Opinio gibt‘s einen Bericht dazu.
  • In ihrer Rubrik „Hero Complex“ schreibt die Los Angeles Times über eine Versteigerung der besonderen Art: Einzigartige Film-Memorabilia aus der Sammlung des legendären Forrest J. Ackerman, darunter so begehrenswerte Preziosen wie Bela Lugosis Ring und Umhang, kamen unter den Hammer.
  • Nochmal Horror, nochmal Spiegel: In der Rubrik „einestages“ kann man durch eine Fotogalerie der 50 schlechtesten Horrorfilmposter blättern. Mein Favorit: „Devil‘s Tower – Der Schreckensturm der Zombies“.
  • Wieviel von einem guten Titel abhängt, weiß auch Dirk van den Boom. Er kündigt die von ihm und Oliver Naujoks herausgegebene Military-SF-Anthologie für den Spätsommer an und sucht noch nach einem griffigen Titel dafür. Auf meinen Vorschlag „Another one bites the Stardust“ ist er bislang nicht näher eingegangen…

Schönes langes Wochenende!

Wochenrückblick

In dieser Woche vorherrschend: Wiedergänger, Werbeumsätze und Lesen im WWW

  • Wie passend: Da läuft im nächsten Monat mit „Illuminati“ die zweite Verfilmung eines Dan Brown an, und schwupps! kommt im Herbst Teil drei der Abenteuer des Robert Langdon bei Doubleday heraus. Startauflage von „The Lost Symbol“: Schlappe fünf Millionen Exemplare. Von dem Honorar kann sich Brown mit Sicherheit bequem noch mal sechs Jahre für seinen nächsten Roman Zeit lassen.
  • Ein weiterer filmischer Wiedergänger stapft hier entenfüßig durch‘s Gehölz. Kommentar von Cynx: „Er trägt wenigstens keine Tights…“. Oodelally!
  • Seinen Dienstpyjama schon lange abgelegt hat Spock, jedenfalls in diesem Comicstrip, den uns Wired zeigt. Dreidimensionales Schach, da laufen die Synapsen heiß.
  • Mehr Star Trek war nie: Der Stern zeigt uns in seiner Onlineausgabe, welche Crewmitglieder der Enterprise Backup-Klone auf der guten alten Erde zurückgelassen haben. Jedenfalls am Anfang der Fotostrecke. Ich habe aufgehört zu klicken, als Florian Silbereisen mit Katie Price verglichen wird.
  • Dann doch lieber Silizium statt Silikon: Auf der Hannover Messe gab‘s den RoboCup, mit kybernetischen Kickern, die „ihre Form von Tag zu Tag steigern.“ Und das völlig ohne überzogene Millionengagen und lukrative Werbeverträge.
  • Vom großen Werbeumsatz wird sich wohl auch der SyFy Channel verabschieden können, wenn die Prequelserie zu BSG so langweilig wird wie der jüngst ausgestrahlte Pilotfilm „Caprica“. Meint jedenfalls Salon.com.
  • Welche Umsätze mit E-Books gestemmt werden können, kann auch noch keiner so richtig sagen. Die Verlage doktern am Kopierschutz, die Buchhandlungen hadern mit dem Vertriebsweg, die Autoren erwartet eine neue Art des Schreibens. In diesem Artikel des Wall Street Journal sind einige Entwürfe einer neuen Lese- und Schreibwelt ausgeführt.
  • Science Fiction wird gerne mal als Literatur der Ideen bezeichnet. Nun, zumindest im Hinblick auf die Möglichkeiten, die das Internet Autoren, Lesern und Verlagen bietet, sind einige SF-Autoren auf dem Weg in die Zukunft des Buches. Wer vierzig Minuten Zeit hat, bekommt in dem Video am Ende dieses Artikels auf io9.com eine hübsche Einführung in das Thema.
  • Und da sag noch einer, „Der Herr der Ringe“ sei reaktionär: HarperCollins bringt noch in diesem Jahr alle Tolkien-Titel als Ebooks heraus. Mir ist der Prachtband von Klett-Cotta zwar lieber, aber eingequetscht im ranzigen Regionalexpress würde ich doch ein Ebook auf dem Handy vorziehen.

Schönes Wochenende!

J. G. Ballard verstorben

200px-crash1stedUS-Autor Jeff Vandermeer (Shriek) berichtet gerade auf seinem Blog, dass der britische Schriftsteller J. G. Ballard heute gestorben ist. Die traurige Nachricht sei ihm von gemeinsamen Bekannten per SMS übermittelt worden.

In einschlägigen Nachrichtenquellen taucht dazu aktuell noch nichts auf, doch auf Facebook bestätigt Linda Moorcock das Ableben Ballards.

Zu den bekanntesten Werken des 1930 geborenen Briten zählen die Dystopie Crash und der autobiographisch gefärbte Roman Empire of the Sun, die beide verfilmt wurden.

Nachtrag: In der Online-Ausgabe berichtet das amerikanische SF-Magazin Locus über einen Nachruf auf J. G. Ballard, der heute Abend bei BBC.co.uk erschienen ist.

Wochenrückblick, anderthalbfach

Regelmäßig wäre schön, klappt aber leider nicht immer. Zwischendurch kam der Osterhase in dem Teil der Eifel vorbei, wo erst seit einem guten Jahr anständiger Handyempfang ist. Und DSL haben wir in dem abgelegenen Waldhaus auch nicht. Eigentlich sehr erholsam, hat leider dazu geführt, dass ich einen schönen Fotovergleich mit einer Illustration aus Alexander Lohmanns Roman „Gefährten des Zwielichts“ nicht mehr bringen kann, denn auf FAZ.net habe ich die entsprechende Fotogalerie nicht mehr wiedergefunden.

Was sonst so interessant war:

  • In Berlin versammelten sich vorletzte Woche internationale Blogger zur re:publica ’09. Vor Ort war auch Internetaktivist und SF-Autor Cory Doctorow, der in mindestens zwei aufschlussreichen Interviews seine Meinung u. a. zu den derzeit heiß diskutierten Nutzungs- und Urheberrechten im Web kundtut. Sowohl Golem.de als auch Tagesspiegel.de zeigen den Kanadier im Video.
  • An Geldverdienen im Internet knüpft diese Meldung an: In seinem höchst lesenswerten Weblog weist Leander Wattig auf „Free“ hin, das Buch des Chefredakteurs von Wired. Dieser beschreibt darin, dass „the flexibility provided by the online world allows producers to trade ever more creatively, offering items for free to make real or perceived gains elsewhere.“ Und: „he demonstrates the ways in which, as an increasing number of things become available for free, our decisions to make use of them will be determined by two resources far more valuable than money: the popular reputation of what is on offer and the time we have available for it.“ Was wiederum deshalb für SF-Fans interessant ist, weil oben erwähnter Doctorow bereits vor sieben Jahren in seinem Buch „Down and out the Magic Kingdom“ (völlig unpassender deutscher Titel: „Backup“) eine solche Reputationsökonomie imaginiert hat.
  • Weg vom „was könnte sein“, hin zum „was kann nie sein“. Naja, nicht ganz. Der Tolkien-Tag vom 6.-7- Juni 2009 in Geldern wird sehr real sein, die Deutsche Tolkien Gesellschaft und ihr Ableger „Linker Niederrhein“ sind es seit geraumer Zeit und dabei von großer Bedeutung für Fans und Forscher gleichermaßen. Wenn‘s klappt, gibt‘s an dieser Stelle einen Bericht über die Veranstaltung.
  • Auf‘s Fandom aufmerksam wurde auch die Frankfurter Rundschau, die in ihrer Onlineausgabe über den Science-Fiction-Treff Darmstadt berichtet. Anlass war die Clubfeier zum 48. Jahrestag von Juri Gagarins Weltumrundungsflug im All.
  • Weiter hinaus geht‘s für die 400 Männer und Frauen der Enterprise auf ihrem Jungfernflug: Am Donnerstag war die Premiere des neuen „Star Trek“-Films, der zeitlich vor der ersten Staffel der Kultserie angesiedelt ist. Sogar Spiegel Online berichtet darüber, wenngleich etwas boulevardesk, wie ich finde (es geht um die Deutschkenntnisse der Darsteller).

Aber es war schon herrlich, wie damals der späte Sonntagnachmittag begann: „Der Weltraum – unendliche Weiten…“ und dann der Sirenengesang „uh-huu-hu-hu-huuu…“.

Hier noch mal zum melancholisch werden:

WordPress-Ranking

Das freut mein Bloggerherz: Obwohl ich eine Osterpause eingelegt habe, gehört Memesis Virtualis zu den 100 am schnellsten wachsenden deutschsprachigen WordPress-Blogs! Jedenfalls wenn ich alles richtig deute.

In diesem Ranking liegt er auf Platz 35, direkt hinter dem „Roten Salon – Boudouir der Wahrheit“ und vor „Auszeit. Freiheit. usw“. Eine schöne Reihung, die zeigt wie, äh, vielfältig doch die Blogkultur ist.

Vielen Dank jedenfalls an alle Leser (und Verlinker)!


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